„Gesundheitsförderung und Prävention nachhaltig gestalten“

Mainz - Ein Fachforum im Erbacher Hof in Mainz, veranstaltet vom Adipositasnetzwerk RLP und dem Fonds der Arzneimittelfirmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland e.V. mit Unterstützung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), befasste sich mit einer der zentralen Fragen der Gesundheitsförderung und Prävention:  Wie lassen sich Menschen dazu motivieren, nicht nur gesunde Ernährungs-, Bewegungs- und Lebensgewohnheiten anzunehmen, sondern sie auch auf Dauer beizubehalten? Wissenschaftler und Praktiker diskutierten über Nachhaltigkeit in der Prävention und neue Wege der Vermittlung gesundheitsfördernder Lebensstile. Drei Initiativen in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland wurden mit dem Förderpreis des Arzneimittelfonds ausgezeichnet.

Ob es um Abnehmen, gesunde Ernährung oder mehr Bewegung geht: Kurzfristig sind viele Menschen bereit, Empfehlungen für ein gesünderes Leben anzunehmen. Doch wie eine Diät häufig einen Jojo-Effekt nach sich zieht, so führen auch andere Verhaltensänderungen oft nicht zu einem dauerhaften Erfolg. Gibt es Faktoren, die Prävention langfristig wirksam machen? „Diese Frage ist insbesondere im Kindes-  und Jugendalter  von großer Bedeutung, denn dann wird der Grundstein für die spätere Gesundheit gelegt“, sagte Jupp Arldt, Vorsitzender des Adipositasnetzwerks RLP. „Je früher junge Menschen ein Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil verinnerlichen und sich danach verhalten, umso besser sind ihre Gesundheitschancen im Erwachsenenalter.“ Die Medien spielen hier eine große Rolle, denn sie beeinflussen den jugendlichen Lebensstil maßgeblich. „Fernsehen und Hörfunk, aber auch die neuen Medien erreichen die Emotionen der Menschen und beeinflussen ihre Motivation. Darin liegt eine Chance für die Gesundheitsförderung“, sagte Arldt.

Professor Dr. Stefan Aufenanger, Medienpädagoge an der Universität Mainz, betrachtete in seinem Vortrag unter anderem den Aspekt, wie Kindern medial das Thema Gesundheit vermittelt wird. "Kinder wachsen heute in einer stark durch Medien geprägten Welt auf. Diese bietet ihnen eine Vielfalt von Möglichkeiten zur Information, zur Kommunikation und zur Selbstdarstellung. Es gibt aber auch Problembereiche, auf die sie durch Medienkompetenz vorbereitet werden müssen“, sagte er. Problematisch ist zum Beispiel häufig die mediale Darstellung von Ernährung. Süße Riegel, fette Brotaufstriche, kalorienhaltige Getränke –  häufig sind als gesund beworbene Lebensmittel nicht so unbedenklich, wie sie daherkommen. Medienkompetenz ist hier nötig, um die Vielzahl an vermittelten Informationen für sich bewerten und nutzen zu können, bestätigte Peter Holnick, Geschäftsführer am Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen. Diese Fähigkeit kann sich positiv auf den Lebensstil und auf gesundheitsfördernde Verhaltensweisen auswirken.

Wie könnte eine Werbekampagne gegen Übergewicht angelegt sein, die Jugendliche auf ihrem Kommunikationsweg erreicht und zu einer Verhaltensänderung motiviert? Peter Raesch von der Werbeagentur Ogilvy One in Frankfurt hat mit einer Gruppe junger Kreativer eine Kampagne konzipiert, die sich der Attraktivität neuer Medien und Sozialer Netzwerke bedient, um junge Menschen beim Abnehmen zu unterstützen. Ein App für das Smartphone etwa animiert Kinder zu einem Spiel, das Bewegungsaufgaben beinhaltet und unterhaltsam Informationen zu Ernährung vermittelt.

Der Fonds der Arzneimittelfirmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland e.V. verlieh auf der Veranstaltung seinen mit insgesamt 12.000,- € dotierten Förderpreis 2012 für Selbsthilfe und ehrenamtliches Engagement auf dem Gebiet der Adipositas-Prävention. Richard Mark Engelhard, Vorstandsvorsitzender des Fonds, warnte vor den gesundheitlichen und finanziellen Folgen eines ungebremsten Anstiegs der Zahl übergewichtiger Menschen. „Dass heute bereits Kinder an Diabetes leiden, ist nur die Spitze des Eisbergs unkalkulierbarer Krankheitsrisiken, die diesen Menschen drohen und die unsere Gesellschaft personell und finanziell schultern muss“, sagte Engelhard. Es müsse gelingen, den Trend zu stoppen. Der Förderpreis soll die ehrenamtlichen Helfer ermutigen, im Kampf gegen die Epidemie Übergewicht nicht nachzulassen.

Drei Projekte wurden mit jeweils 4000,- € ausgezeichnet: die Katholische Familienbildungsstätte Trier für ihr Programm „Abnehmen mit System“, das von den Rotary-Clubs getragene Präventionsprojekt „gesundekids – Fit fürs Leben“ sowie das Adipositas-Netzwerk Saar für seine „Ernährungskurse für Migrantinnen und ihre Kinder“.

Die Trierer Initiative „Abnehmen mit System“ bietet ein ambulantes Schulungsprogramm für übergewichtige Kinder und Jugendliche an, das neun Monate dauert und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt:  Medizinische Betreuung, Bewegung, Ernährung, psychologische Begleitung und Elternarbeit sind hier zu einem konsistenten Schulungskonzept verknüpft.

Das Projekt „gesundekids – Fit fürs Leben“ geht auf eine Initiative aus den Reihen des Rotary Clubs Wiesbaden-Nassau zurück, das mittlerweile in vielen Städten Nachahmer und  in der gemeinnützigen Genossenschaft „gesundekids eG“ in Bruchköbel seine feste Struktur gefunden hat. Es ist die Service-Organisation, bei der sich die deutschen Rotary Clubs Anregungen und Unterstützung beim Aufbau eigener gesundekids-Projekte holen können. Die in Wiesbaden initiierte Aktion „Brotgesichter“ ist mittlerweile fester Bestandteil der überregionalen Aktivitäten: Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte bereiten mit den ihnen anvertrauten Kindern gesunde Pausenbrote zu.

Das Adipositas-Netzwerk Saar spricht mit seinen Ernährungskursen für Migrantinnen eine Bevölkerungsgruppe an, in der Übergewicht bei Kindern häufig ein Problem ist. Die Teilnehmerinnen werden darüber aufgeklärt, welcher Nährwert in Getränken oder Snacks steckt und  wie eine ausgewogene Ernährung zusammengesetzt sein sollte. Aber sie werden auch auf den Einfluss des Medienkonsums und des Bewegungsmangels als Faktoren für die Übergewichtsentwicklung hingewiesen. Mit Hilfe leicht verständlicher Grafiken werden grundlegende Kompetenzen für eine gesundheitsförderliche Ernährung vermittelt, ohne die kulturspezifischen Vorlieben für Grundnahrungsmittel zu vernachlässigen. 

Der Förderpreis des Fonds der Arzneimittelfirmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland wird seit 1999 jährlich für Projekte auf dem Gebiet Gesundheit, Soziales, Kultur und Wissenschaft vergeben. Er soll ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft ermutigen.

Für Rückfragen:
Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Birgit Kahl-Rüther
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hölderlinstraße 8
55131 Mainz
Telefon: 06131 2069-15
Fax: 06131 2069-69
E-Mail: bkahl@lzg-rlp.de
www.lzg-rlp.de

Fonds der Arzneimittelfirmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland
Sula Lockl
Telefon: 069-2556-1430
Mobil: 0151-62836085
E-Mail: lockl@arzneimittelfonds.de
www.arzneimittelfonds.de


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